A. VAILLANT & S. MEYER // COPERNI

Aus ihrem Dualismus ist ihre Komplementarität geboren. Ihre Liebe für Traditionen wird mit einem avantgardistischen und absolut futuristischen Blick auf die Mode kombiniert. Ein Treffen mit Sébastien Meyer und Arnaud Vaillant, die Gründer von Coperni.

MONNIER Frères: Wer verbirgt sich hinter Coperni?

Sébastien Meyer: Wir sind beide Co-Founder von Coperni, Arnaud ist für das Business zuständig und ich für die Kreation.

M.F.: Wenn man als Duo arbeitet, riskiert man, dass einer von beiden mehr im Vordergrund steht als der andere, allerdings erscheint dies bei Ihnen nicht der Fall zu sein. Wie funktioniert das bei euch?

S.M.: Es ist sehr natürlich, wir führen eine Konversation über jedes Detail, über jede Entscheidung, die wir treffen müssen.

A.V.: Wir respektieren uns gegenseitig sehr und wir sind beide Wortführer der Marke…

S.M.: … und außerdem mögen wir es nicht, wenn man als Stardesigner abgestempelt wird, daher trägt die Marke auch diesen Namen. Es geht hier eher um ein gemeinsames, kollektives Abenteuer.

M.F.: Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, Coperni, was eine Hommage an Copernic ist, zu gründen?

S.M.: Das ist ganz natürlich geschehen. Wir haben Coperni kurz nach der Schule, wo wir uns kennengelernt haben, gegründet. Arnaud hatte vorher in anderen Modehäusern gearbeitet und ich hatte Lust, etwas zu gründen. Daher haben wir angefangen, einige Kleidungsstücke herzustellen und dann brauchten wir einen Namen.

A.V.: Wir fanden, dass Coperni in allen Sprachen gut klingt. Abgesehen davon mögen wir die Assoziationen mit der Wissenschaft, dem Fortschritt, der Abendteuer, der Entdeckungen…

S.M.: ...der Innovationen

A.V.: ... die futuristische und gleichzeitig traditionelle Seite. Uns hat schon immer der Dualismus aus Tradition und Heritage und gleichzeitig Futurismus und Avantgardismus gefallen.

M.F.: Zusammengefasst ist die Mode für Sie also ein Spiel?

S.M.: Ja, ich glaube so muss man es sehen. Man muss die Mode ein bisschen entheiligen und sie integrativer, offener und lebendiger machen.

M.F.: Welches ist Ihr Lieblingsmodell von Ihren Accessoires?

A.V.: Die Swipe Bag, zweifellos.

M.F.: Wo sehen Sie die Mode in 10 Jahren?

A.V.: Ich weiß nicht, wie sie sein wird, ich hoffe jedoch, dass sie verantwortungsvoller wird. Viel spezifischer, viel futuristischer.

S.M.: Ich denke, wir werden alle eine Uniform bekommen, so wie früher. In den Jahren, als es noch Haute Couture war, wählten die Frauen eine Marke, und sie kleideten sich immer in ihr. Vielleicht gehen wir dahin zurück, zu etwas Engagierterem...

M.F.: Und wo sehen Sie Ihre Marke zukünftig?

S.M.: Wir möchten versuchen, noch innovativere, technologische und technische Projekte zu entwickeln. Wir werden versuchen, das nach und nach zu erreichen. Dabei geht es nicht darum, Projekte durchzuführen, die ein bisschen zu sehr nach Gadgets aussehen und Technologie zu verwenden, nur um sie zu haben. Wir werden uns die Zeit nehmen, wir werden uns informieren, wir werden die Dinge in Angriff nehmen und ich hoffe, dass wir in 10 Jahren in der Lage sein werden, eine vernetzte Tasche zu entwickeln, die die Menschen tatsächlich benutzen.

M.F.: Am 25. Februar hat Coperni zum ersten Mal im Rahmen der FW einen Laufsteg gehabt. Sie haben als Location die Station F, die Wiege vieler Pariser Start-ups gewählt. Eine nicht ganz naiv gewählte Location…

A.V.: Ja. Letzte Saison hatten wir eine Präsentation im Apple Store auf den Champs-Elysées…

S.M.: ...und die Station F hat daher einfach Sinn gemacht. Wir waren froh, an diesem Ort zu sein, umgeben von Start-ups, denn die Art und Weise, wie wir Coperni aufbauen, ist ein bisschen wie ein Start-up. Wir mochten es auch, an einem öffentlichen Ort zu sein, wie in der letzten Saison im Apple Store. Für Menschen zum Zuschauen. Es ist komisch, denn während der Show kamen natürlich alle Start-ups und alle jungen Leute auf den Balkon oder ans Fenster, um sich die Show anzusehen.

M.F.: Wie geht es weiter? Was sind Ihre Projekte?

S.M.: Wir fokussieren uns auf den Laufsteg. Somit werden wir ein neues Erlebnis schaffen, eine neue, interessante Show.

A.V.: Wir setzen auf Pre-Collections, wir möchten den Rhythmus der Neuheiten, der Kleidungsstücke, der Taschen beschleunigen. Es wird viele Taschen geben.

ENTDECKEN SIE DIE KOLLEKTION

M.F.: Im Mai 2015 haben Sie entschieden, Coperni zu pausieren, um Art Director von Courrèges zu werden. Am 1. Februar 2019 haben sie Coperni wieder aufgenommen. Warum diese Pause und dieses Comeback?

A.V.: Wir hatten Lust, Coperni zurückzugewinnen, unsere eigene Geschichte wieder zu erzählen und dabei frei zu sein. Es war einzigartig, für Courrèges zu arbeiten, aber es hat auch gleichzeitig bedeutet, einige Richtlinien zu beachten. Jetzt sind wir absolut frei und haben eine Menge Spaß dabei!

S.M.: Außerdem ist das alles zu einem bestimmten Zeitpunkt passiert. Wir hatten den Eindruck, dass Produkte gefragt waren, die schick und gleichzeitig ein bisschen technisch waren. Und da wir es lieben, das zu machen, haben wir nicht lange gezögert!

M.F.: Sehen Sie eine Veränderung vom damaligen Coperni im Vergleich zum heutigen Coperni?

A.V.: Nicht in Bezug auf die Philosophie, die DNA oder die Überzeugungen, aber in Bezug auf die Organisation schon. Beim ersten Mal kamen wir direkt von der Schule, es war sehr „Freestyle“. Heute machen wir alles etwas überlegter und wir haben mehr Spaß daran.

M.F.: Was war der Auslöser dafür, Taschen zu entwerfen?

S.M.: Seitdem wir Coperni gegründet haben, war alles natürlich und spontan. Das ist das, was uns gefällt. Wir mögen es nicht so sehr zu planen. Die Taschen haben wir instinktiv entworfen. Unsere Inspiration war sehr « tech » und ich habe viel über die technischen Embleme wie das WiFi Symbol oder den Swipe Button vom iPhone recherchiert… Das hat mich sehr schnell inspiriert. Und somit habe ich mir gedacht: warum eigentlich keine Tasche?

M.F.: Seit der Gründung von Coperni dienen die sozialen Netzwerke als Ihr Schaufenster, insbesondere Instagram. Weshalb setzen Sie auf das Digitale?

S.M.: Sicher ist auf jeden Fall, dass wir nicht der Typ Mensch sind, der sich von einer Reise nach Marrakesch inspirieren lässt… Wir mögen es gerne, uns von Dingen inspirieren zu lassen, die wir im Alltag benutzen, besondere Tools, und wir spielen gerne damit. Das sind Objekte, die unsere Zeit prägen und das finde ich interessant.

A.V.: Instagram ist sehr wichtig für unsere Marke. Wir haben zwei Projekte gemacht, bei denen wir viel Spaß hatten. Das erste hieß „Copernize your life“ und das zweite „Coperni Arcade“. Die Idee ist, Instagram zu nutzen und dabei dem User die Macht zurückzugeben. Wir möchten, dass der Kunde, der Zuschauer, Spaß hat und die Marke für sich selbst entdecken kann.