VANESSA BRUNO

Seit mehr als zwanzig Jahren ist Vanessa Bruno mit ihren einfachen und raffinierten Kreationen unübertroffen erfolgreich. Heute hat sich die Designerin dafür entschieden, etwas mehr Wert auf Leder zu legen. Ein Treffen.

MONNIER Frères : Mit Ihrem Shopper sind Sie erfolgreich geworden. Können Sie uns etwas zur Entstehungsgeschichte dieser Tasche, die zur Ikone geworden ist, erzählen?
Vanessa Bruno : Ich kann den Erfolg dieser Tasche immer noch nicht glauben. Sie entstand aus einer wirklich spontanen Idee: Ich hatte gerade meine Tochter bekommen und brauchte eine praktische Tasche. Ich war auf meinem Fahrrad und brauchte eine große Tasche, um meine Sachen, die Kindersachen und die Arbeitssachen zu verstauen. Daher entstand die Idee, es war mein Lebensstil, der dafür hauptsächlich verantwortlich war.

M.F. : Wie erklären Sie sich die Langlebigkeit dieses Accessoires?
V.B. : Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht erklären. Jeden Tag bin ich erstaunt, Mädchen und Frauen zu sehen, die es tragen. Ich denke, es hat etwas sehr Demokratisches an sich, weil es mir gelungen ist, es auf verschiedene Arten und in verschiedenen Themengebieten zu platzieren, was bedeutet, dass viele es auf ihre eigene Art und Weise tragen können. So wie sie leben werden sie es auch tragen. Gleichzeitig glaube ich, dass die Form auch maßgeblich dafür verantwortlich ist, da sie ziemlich zeitlos, extrem elegant und praktisch ist, aber auch eine raffinierte und spielerische Seite durch die Pailletten hat.

MF : Wo wird dieses Accessoire hergestellt?
V.B. : Der Stoff der Taschen kommt aus Frankreich und das Leinen aus Belgien. Ob aus Leinen oder Baumwolle, sie werden in einer Werkstatt bei Paris hergestellt, mit der wir von Anfang an zusammengearbeitet haben.

M.F. : Auf die gleiche Weise haben Sie vor einigen Saisons aufgehört, Modenschauen zugunsten von Präsentationen aufzugeben. Weshalb?
V.B. : Ich präsentiere seit mehr als zwanzig Jahren Kollektionen und das Wichtigste als Designer ist es, immer Spaß an dem zu haben, was ich tue. Und die Modenschauen waren für mich zu etwas Extremem geworden.... es waren zu viele. Ich hatte keine Zeit mehr für die Kreation. An einem bestimmten Punkt fragte ich mich: "Aber das alles für was?" Ich bleibe mit meiner Marke ein unabhängiges Modehaus, wir sind ein kleines Team und es war wichtig, dass ich auch ein wenig Luft zum Atmen bekomme, kreativ gesprochen. Also beschloss ich, aufzuhören. Morgen kann das jedoch wieder anders aussehen. Tatsächlich waren Pressepräsentationen, Installationen, die Arbeit mit Künstlern, die Magie eines Raumes durch Musik oder Video immer auch eine Welt, in der ich auch gearbeitet habe.

M.F. : Sie sind nicht die Erste, die dem rasanten Tempo der Modebranche den Rücken zukehrt. Glauben Sie, dass wir in zehn Jahren eine leichtere Industrie haben werden, in der Modenschauen selten sein werden?
V.B. : Ich denke, jeder lebt seine Kreativität. Ich entschied mich, aufzuhören, weil ich durch das Arbeitstempo erstickt wurde und das Wichtigste ja eigentlich ist, Spaß an der Arbeit zu haben. So haben die Kunden den Eindruck, dass Sie ihnen auch einen kleinen Moment des Glücks, einen kreativen Moment bieten, sie fühlen sich wohl in Ihrer Kleidung, sie nehmen sie als etwas an, was sie wirklich tragen wollen. Ich hatte das Gefühl, dass die Modeschauen uns zu etwas führen, bei dem wir diesen Teil vergessen, um der Presse mehr zu gefallen. Das ist von Person zu Person jedoch verschieden. Es gibt Leute, die Laufstege organisieren müssen, weil sie sich dort am besten ausdrücken können und ich denke, das ist legitim, denn es gibt sehr schöne Laufstege. Wir dürfen nie vergessen, dass wir am Ende da sind, um uns gut zu fühlen, schön zu sein und uns die Zeit zu nehmen, unsere Kleidung zu tragen. Und das ist es, was ich mit meinen Teams versuche. Ich überlasse den Wahnsinn den anderen!

 

ENTDECKEN SIE DIE KOLLEKTION

M.F. : Im Gegenzug werden Ihre Basttaschen in Madagaskar hergestellt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
V.B. : Die Raffia Shopper sind anders. Sie sind von Hand gefertigt, weshalb ich mit einer Fabrik zusammenarbeiten musste, die in der Lage war, das Rohmaterial vor Ort zu beschaffen und das Raffia von Hand zu verarbeiten.

M.F. : Ist die Herstellung in Frankreich wichtig für Sie?
V.B. : Ja, das ist sehr wichtig. Mir wurde oft vorgeschlagen, meine Tasche woanders herzustellen, jedoch lehnte ich das ab. Alles wird hier entworfen. Darüber hinaus ist es eine Teamleistung, und ich halte es für wichtig, dass sie in Frankreich bleibt. Alles wird in Frankreich hergestellt, sogar die Pailletten.

M.F. : In dieser Saison konzentrieren Sie sich auf Leder. Warum eine solche Trendwende?
V.B. : Leder hat es schon immer gegeben. Und auch das Wildleder. Aber ich denke, es ist aufgrund einer neuen Farbpalette, die ich geschaffen habe, aber auch aufgrund der neuen Nieten. Ich habe das Gefühl, dass sie ihm ein neues Leben, eine neue Persönlichkeit gegeben hat! Das funktioniert im Moment sehr, sehr gut.        

M.F. : Wer ist die typische Vanessa Bruno Frau?
V.B. : Sie ist eine schwierige Frau, die gerne leichte Kleidung trägt. Damit meine ich eine gewisse französische Eleganz, einen extrem entspannten Pariser Chic, eine gewisse Lässigkeit mit einer Note von Boho. Gleichzeitig ist es ihr wichtig, sich wohl zu fühlen und in ihrer Kleidung ein gutes Leben zu führen und sie sich wie eine zweite Haut anzueignen.

M.F. : Bei der Konfektionsware standen Sie an der Spitze einer zweiten Linie, Atheist, die Sie vor einigen Jahren abgesagt haben. Wie haben Sie es geschafft, Ihre Botschaft neu auszurichten, um sie einzigartig zu machen?
V.B. : Ob Atheist oder Vanessa Bruno, es war die gleiche Frau für mich. Sie sind keine unterschiedlichen Frauen. Ich habe die Atheist-Linie schon früh ins Leben gerufen, weil ich etwas Lässigeres entwerfen wollte, mit Materialien, die etwas erschwinglicher sind. Jedoch haben wir erkannt, dass es kompliziert ist, zwei Linien zu haben, und die Botschaft aufrecht zu erhalten. Und ich hatte viele Kunden, die, je nach Kleidungsstil, sowohl Modelle aus der einen als auch aus der anderen Kollektion wählten. Letztlich dachte ich, das Einfachste, was man tun kann, ist alles unter einem Label zusammenzufassen und eine komplette Kollektion zu erstellen.